Der aktuelle Fall von Zensur bei Flickr zeigt wie sehr man als Nutzer von Webdiensten auf seinen Anbieter angewiesen ist. Natürlich ist es schön ein Fotoalbum oder ein Blog kostenlos und mit geringem Aufwand für Einrichtung zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Bei Flickr hat eine Änderung der Nutzungsbedingungen und das Löschen von ungewünschten Fotos zu einem regelrechten Sturm der Entrüstung geführt. Als international tätiges Unternehmen will Flickr natürlich in keinem Land der Welt auffällig werden. Bei Fotos, die in Richtung Erotik gehen, sind aber die Ansichten weltweit unterschiedlich: was bei uns noch als Plakatwerbung mit erotischen Touch durchgeht, ist in anderen Ländern schon Pornographie. Im aktuellen Fall wurde von Flickr der deutsche Jugendschutz überschätzt. Auch bei politischen Themen und der Kritik an bestimmten Firmen wird es kritisch. Flickr hat wohl auch schon Kommentare entfernt, in denen über die Verletzung von Urheberrechten durch eine andere Firma diskutiert wurde.

Zurück bleiben frustrierte Nutzer, die sehr viel Zeit in eine Plattform investiert haben, die dafür gesorgt haben das sie populär wird, aber letztlich kein Mitspracherecht haben. Am Schluss entscheidet der Anbieter und letztlich dessen CEO, was veröffentlicht werden darf und was nicht. In seinem Artikel Wechsel nicht möglich beschreibt Till Westermayer ausführlich, warum es gar nicht so leicht ist, eine Online-Community wieder zu verlassen.

Als Nutzer ist und bleibt die eigene Plattform, die eigene Bildergallerie oder das eigene Blog, die beste Möglichkeit, um unabhängig zu bleiben. Es ist besser ein paar Euro in das Webhosting zu investieren, aber dafür über die eigenen Inhalte zu bestimmen. Nutzt man dann zusätzlich andere Plattformen, bleibt aber immer eine Rüchzugsmöglickeit für das Publizieren der eigenen Inhalte. Die eigene Unabhängigkeit sollte man sich auch im Web 2.0 erhalten.